Ausbildung – Inhalte

Die Ausbildung richtet sich an Erzieher*innen und Heilerziehungspfleger*innen bzw. qualifizierte Mitarbeiter*innen aus der Behinderten- Kinder- und Jugendhilfe Gemäß Lehrplan des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus werden die Ausbildungsinhalte in einer Stundentafel von 2440 Stunden unterrichtet.

Heilpädagogische Arbeitsfelder verlangen besondere berufliche Qualifikationen. In der Heilpädagogik ist es wichtig der Komplexität von Entwicklungen, Barrieren der Teilhabe und Behinderungsszuständen gerecht zu werden. Mit dem Leitziel Inklusion sind vertiefte Kompetenzen zur pädagogischen Praxis, der Verankerung von Werten und der Organisation der Unterstützung von Teilhabe verbunden. Grundlage heilpädagogischen Handelns ist eine wertgebundene ethische Fundierung. Die heilpädagogische Haltung steht in einem Wechselspiel von Handeln und Reflexion. Entsprechend einem ganzheitlichen Menschenbild geht es in der Ausbildung nicht um die Vermittlung von isoliertem Wissen. So ist die Entwicklung beruflicher Persönlichkeitskompetenz neben der Vermittlung von Wissens- und Handlungskompetenz wichtiges Ziel. Für Leitungstätigkeiten sind außerdem Kompetenzen im Sozial- oder Projektmanagement wichtig.

Lernen im Lebenslauf

Die Ausbildung ist im Sinne eines Lernens im Lebenslauf konzipiert, orientiert sich am vorgegebenen Lerninhalt und ist durch den Einsatz vielfältiger Methoden gekennzeichnet. Die Weiterbildung fördert durch eine enge Verknüpfung zwischen Theorie und Praxis die Vertiefung der bisherigen Berufsausbildung. 

Jeder Mensch kommt mit einem eigenen „Skript von Lernen“ in die Schule. Es sind Vorstellungen, Vorlieben und Erfahrungen vorhanden. Vor allem Fachkräfte besitzen meist eine hohe Sachkompetenz und fundiertes, praxisbezogenes Wissen. Erwachsenen- orientierte Unterrichtsformen müssen dies berücksichtigen. Die kritische Überprüfung von bekannten und neuen Theorien trägt zur Entwicklung einer neuen beruflichen Identität als Heilpädagog*in bei. Das Dozent*innen Team orientiert sich an Lernprozessen und Lernergebnissen. Studierende erhalten in der Akademie Schönbrunn eine Ausbildung in der

  • die Gestaltung der heilpädagogischen Beziehung, theoretisch wie praktisch zentrales Element ist,
  • Ihre Kompetenzen für Tätigkeiten der Förderung, Beratung, Leitung, Bildung und Assistenz gefördert werden,
  • Sie Konzepte von Inklusion, Teihabeplanung und inklusiver Pädagogik kennenlernen,
  • diagnostische Verfahren und eine Vielzahl heilpädagogischer Methoden vermittelt werden,
  • vor allem spieltherapeutische, psychomotorische, systemische Herangehensweisen, kreative Verfahren sowie Erwachsenbildung vertieft und bei sich Selbst erlebt werden.

Die Weiterbildung basiert auf drei Säulen:

Theoriefächer

Im fachtheoretischen Unterricht Theoriefächer werden theoretische Grundlagen vermittelt. In der Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Ansätzen der Heilpädagogik und ihrer Nachbargebiete Psychologie, Soziologie, Medizin und Rechtskunde kann die Heilpädagog*in Antworten auf Behinderungszustände und individuelle Fragestellungen von Menschen mit Behinderung finden. Die Theoriefächer sind mit den Inhalten der Übungen vernetzt und werden durch Exkursionen ergänzt.

Heilpädagogik wird als Theorie und Praxis der Erziehung unter erschwerten personalen und sozialen Bedingungen verstanden. Übergeordnete Zielsetzungen einer vertieften Pädagogik sind Inklusion sowie die personale und soziale Integration eines Menschen. Mit der übergeordneten Zielsetzung der Inklusion ist auch eine Pädagogik für alle Menschen, dh. inklusive Pädagogik (Pädagogik der Vielfalt) verbunden.

Innerhalb der allgemeinen Heilpädagogik wird das Selbstverständnis der Heilpädagogik thematisiert. Neben historischen Entwicklungen mit ihren jeweiligen anthropologisch- ethischen Grundannahmen wird die Heilpädagogik vor allem als systemisch- ökologische wertegeleitete Wissenschaft reflektiert. Es stellt sich in der Heilpädagogik immer wieder die Frage, wie Teilhabe und Aktivität individuell verbessert werden kann.

Spezielle Erziehungs- und Bildungserfordernisse von Menschen mit Behinderungen erfordern eine spezielle Heilpädagogik. In Bezug zu den anderen Fächern bezieht sich die Begrifflichkeit des „Speziellen“ auf spezielle Erziehungs- und Bildungserfordernisse. Das Spezielle ist in dem Zusammenhang zu sehen, dass Behinderungszustände beim In- dividuum spezielle Förderbereiche, Förderschwerpunkte oder Förderbedürfnisse zur Folge haben, hier vor allem in den Bereichen

  • der körperlichen und motorischen Entwicklung,
  •  des körperlichen und seelischen Befindens,
  • der geistigen bzw. kognitiven Entwicklung,
  • des Lern- und Leistungsverhaltens,
  • der emotionalen und sozialen Entwicklung/ des Erlebens und der Selbststeuerung,
  • der Sprache und des Sprechens, des kommunikativen Verhaltens,
  • des Hörens und des Sehens.

Die Studierenden sollen dabei den jeweiligen existentiellen Aspekt gedanklich nachvollziehen, Ressourcen erfassen, Erklärungen und Deutungen kennen lernen sowie heilpädagogische Ziele und Aufgaben entwickeln, beurteilen und planen können.

Heilpädagog* innen arbeiten in unterschiedlichsten Arbeitsfeldern. Als Berufkunde werden heilpädagogische Konzepte und Tätigkeitsfelder von der Frühförderung bis zur Geragogik vorgestellt. Inhalt des Unterrichts sind auch die Geschichte der Professionalität des Berufsfeldes, sowie die Erwartungen und Anforderungen an die Berufsrolle. Die

Psychologie im Rahmen der Heilpädagogik versteht sich als eine Grundlagenwissenschaft. Sie soll wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse vermitteln über den Menschen als ein Individuum, das sich entwickelt und in sozialen Bezügen lebt.

In der Entwicklungspsychologie lernen die Studierenden den Verlauf und die Dynamik einzelner Entwicklungsbereiche und ihre gegenseitige Verflechtung kennen. So wird es ihnen möglich, Entwicklungsverläufe von Klienten und Klientinnen zu beurteilen und zu erkennen, wo und wie heilpädagogisches Handeln indiziert ist.

In der Lernpsychologie werden verschiedene Theorien des Lernens thematisiert. Dies dient dazu, menschliche Erlebnis- und Verhaltensweisen in einem umfassenden Sinn erklären und verstehen zu lernen und Möglichkeiten für Veränderungen im Sinne eines Um- oder Neulernens initiieren zu können.

In der Sozialpsychologie geht es um das Eingebundensein des Individuums in soziale Systeme und die Wechselwirkungen zwischen dem Handeln verschiedener Personen. Die Studierenden sollen die Fähigkeit entwickeln, Strukturen in Gruppen und größeren sozialen Systemen zu erkennen und, soweit notwendig, daraus Ansätze zur Veränderung abzuleiten.

In der Diagnostik lernen die Studierenden Verfahren und Theorien der psychologischen und heilpädagogischen Diagnostik kennen. Sie lernen die Anwendung verschiedener Methoden von Befragung, Beobachtung und Testdiagnostik und werden so befähigt, einen Menschen mit seinen Stärken und Schwierigkeiten in einem umfassenden Sinn zu verstehen.

In der Klinischen Psychologie werden die unterschiedlichen Therapieansätze in ihrer jeweiligen Bedeutung für die heilpädagogische Tätigkeit thematisiert. An Fallbeispielen wird die je unterschiedliche Denk- und Handlungsweise der verschiedenen Ansätze anschaulich gemacht und es werden Möglichkeiten der Integration verschiedener Blickwinkel erkundet.

Heilpädagog/ innen arbeiten häufig mit Kindern und Jugendlichen, die eine psychische Störung oder Erkrankung aufweisen. Um das Erleben und Verhalten dieser Kinder und Jugendlichen richtig einschätzen und verstehen zu können, sind fundierte Kenntnisse über die Ursachen und Entstehungsbedingungen von psychischen Störungen nötig, sowie über deren Erscheinungsbilder, mögliche Verlaufsformen und Therapiemethoden. Im Unterricht erhalten die Studierenden einen Überblick über das diagnostische Vorgehen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und lernen die wichtigsten Klassifikationssysteme kennen.

Innerhalb der Kinder- und Jugendpsychiatrie lernen die Studierenden psychische Störungen von normalen Entwicklungsvarianten zu unterscheiden. Sie erarbeiten an Fallbeispielen bedeutsame Einflussfaktoren für die Entwicklung von psychischen Störungen. Es werden die wichtigsten Störungsbilder vertieft und an Fallbeispielen vorgestellt. Es wird jeweils auf die Symptomatik eingegangen, auf typische Verlaufsformen, auf die Häufigkeit und Geschlechterverteilung, sowie auf verschiedene Therapiemöglichkeiten, u.a. auch auf die Psychopharmakatherapie. Zu den wichtigsten Störungsbildern gehören z.B. das hyperkinetische Syndrom, verschiedene Entwicklungsstörungen, Autismus, Essstörungen und Sucht, affektive Störungen, jugendliche Schizophrenie und andere.

Anliegen der Soziologie im Rahmen der Heilpädagogik ist es, ein durch soziologische Erkenntnisse fundiertes Verständnis für die zum Teil problematische Gestaltung und Bewältigung der Lebenssituation des Individuums zu erlangen.

Dabei wird insbesondere die Diskrepanz zwischen individuellen Voraussetzungen, gesellschaftlichen Erwartungen und dominierenden Denk- und Verhaltensmustern herausgestellt.

Ziel ist es, Heilpädagogen* innen in die Lage zu versetzen, an der Bearbeitung persönlich und gesellschaftlich resignativer oder ausgrenzender Tendenzen mitzuwirken.

Die Studierenden sollen den Ablauf von Gesellschaftsprozessen und deren Bedeutung im Rahmen von Sozialisation erfassen können.

Neben der Vermittlung von Kenntnissen über Struktur, Normen und Werte in der Gesellschaft der Gegenwart wird große Aufmerksamkeit vor allem auf die Themen

  • Sozialisationsbedingungen von Kindern und Jugendlichen
  • Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft
  • Erklärungsmodelle abweichenden Verhaltens

gerichtet.

Die Studierenden haben in diesem Fach die Möglichkeit vorhandene Rechtskenntnisse zu vertiefen und anhand konkreter Fallarbeit auf den Berufsalltag der Heilpädagog* innen anzuwenden.

Es werden zunächst unterschiedliche Rechtsstellungen von Menschen mit und ohne Behinderungen und die daraus entstehenden beruflichen Aufgaben und Pflichten in unterschiedlichsten Rechtsgebieten thematisiert. Speziell wird auf die Rechte von Kindern und Jugendlichen eingegangen.

Des Weiteren werden der Sozialstaat und seine Leistungen für Menschen mit Behinderungen sowie die Rechtsbeziehungen zwischen Klienten und Betreuungseinrichtungen behandelt. Die Heilpädagogin/ der Heilpädagoge soll in der Lage sein Menschen mit besonderem Hilfebedarf bei der Antragstellung behilflich zu sein.

Abschließend wird die rechtliche Stellung der Heilpädagogin bzw. des Heilpädagogen mit Schwerpunkt im arbeitsrechtlichen Bereich thematisiert, wobei auch auf grundlegende Fragen einer selbständigen Tätigkeit eingegangen wird.

Fachpraktischer Unterricht (Übungen)

Der fachpraktische Unterricht vermittelt heilpädagogische Vorgehensweisen, Methoden und Konzepte. In den ersten beiden Ausbildungsjahren sind die heilpädagogische Haltung, die Personenzentrierung und die Auseinandersetzung mit dem Leitbild Inklusion im Vordergrund. Weitere Schwerpunkte sind u.a. systematische Pädagogik und Beratung, inklusive Frühpädagogik und Kreativ- gestaltende Verfahren. Es gibt einen Einblick in unterschiedlichste heilpädagogische Konzepte. So werden Themen der heilpädagogischen Diagnostik und heilpädagogischen Entwicklungsförderung in den ganzen vier Ausbildungsjahren vermittelt. Ein Großteil der Übungen wird in geteilter Gruppe unterrichtet. Verschiedene Übungen werden zur Wahl angeboten. Im 3. Ausbildungsjahr wird die Möglichkeit zur Vertiefung und Spezialisierung in einer heilpädagogischen Methode nach Wahl angeboten:

  • Heilpädagogischer Spieltherapie,
  • Psychomotorik,
  • Erwachsenenbildung oder
  • Inklusive Frühpädagogik.

Diese vertiefte Methode wird im Praktikum des dritten Ausbildungsjahres angewandt und reflektiert, wodurch in engem Austausch zwischen Unterricht und Fachpraxis eine spezielle Methodenkompetenz unterstützt wird.

Das Fach HPF/ HPE vermittelt zentrale heilpädagogische Fähigkeiten und Fertigkeiten, die in Übungen wie kreativ -gestaltende Verfahren, Spielförderung, Psychomotorik, Spieltherapie, Erwachsenenbildung oder Beratung aufgegriffen und differenziert werden. Heilpädagogisches Handeln geschieht auf der Basis einer heilpädagogischen Haltung und verwirklicht sich in einer heilpädagogischen Beziehungsgestaltung. Diese zentrale Aussage soll durch Theorie und Übungen zum

  • personzentrierten Ansatz (Pörtner)
  • klientenzentrierten Ansatz (Rogers)
  • Variablenansatz der Beziehungsgestaltung (Flosdorf)

zur heilpädagogischen Handlungskompetenz werden. Der Bedeutung der Wahrnehmung für die Entwicklung des Menschen wird durch Konzepte der Wahrnehmungsförderung (Sensorische Integration nach Ayres, Führen nach Affolter, basale Förderung) Rechnung getragen.

Heilpädagogische Entwicklungsförderung und Erziehungshilfe will den Erkenntnis- und Erlebnishorizont eines Klienten erweitern und seine Fähigkeiten und Fertigkeiten im Hinblick zu mehr autonomem Handeln unterstützen. Damit dies nicht zu einem sinnentleerten Einüben wird, gilt es, beim Klienten Fragen (nicht nur sprachlicher Art) zu hervorzurufen, die dieser in sinnvoll erlebtem Handeln beantworten kann. Die „Heilpädagogische Übungsbehandlung“ erhält so als „Suche nach Sinn“ (Lotz) eine neue Qualität.

In der Umsetzung dieser Konzepte finden heilpädagogische Prinzipien wie z.B. dialogisch, assistierend verstehende (Köhn) sowie methodisch-didaktischePrinzipien (Theunissen) Berücksichtigung. Ein hoher Stellenwert wird dabei der förderlichen Gestaltung des Alltages als erfahrbare Lebenswirklichkeit gegeben.

Heilpädagogische Diagnostik zielt auf das Erkennen und Verstehen der Befindlichkeit einer Person (Paul Moor). Befindlichkeit setzt sich dabei aus anamnestischen, somatischen, psychischen, sozialen und situativen Einflüssen sowie deren Wechselwirkungen zusammen.

Ausgehend von Übungen zur biographischen Selbstreflexion, in denen bei den Studierenden eine Bewusstheit für die eigene Biographie angeregt wird, erwerben die Studierenden Kenntnisse und Fähigkeiten, um die komplexen Lebenswirklichkeiten von Klienten erfassen, ordnen und im Sinne von Hypothesenbildung bewerten zu können. Dies ist Grundlage für die Entwicklung heilpädagogischer Handlungskonsequenzen.

Als Förderdiagnostik stellt die heilpädagogische Diagnostik ein begleitendes Element der heilpädagogischen Entwicklungsförderung und Erziehungshilfe (HPF/ HPE) dar. Methoden im heilpädagogisch- diagnostischen Prozess sind vorzugsweise das Gespräch und die Beobachtung. Die Studierenden werden vertraut mit unterschiedlichen Instrumenten zur Gestaltung aussagekräftiger Beobachtungssituationen. Des Weiteren werden ausgewählte Testverfahren sowie die Erstellung von Gutachten behandelt.

Wichtige Fokussierungen sind die  Ressourcenorientierung sowie  das dialogische Sich- Einlassen auf subjektive Wirklichkeitskonstruktionen.

In den verschiedenen heilpädagogischen Arbeitsfeldern wird der Blick auf das gesamte System (z.B. Familiensystem) immer wichtiger. Auch deshalb sind Heilpädagog/innen immer mehr in der Rolle des Beraters gefordert (Elternberatung, Teamberatung, Teilhabeberatung etc.).

Systemische Pädagogik und Beratung orientiert sich an den Fähigkeiten und Ressourcen der Einzelnen, schaut auf Lösungen, statt auf Probleme und berücksichtigt den Kontext. In diesem Fach lernen die Studierenden Grundlagen der Beratung kennen. Außerdem setzen sie sich mit systemischen Sichtweisen, Methoden und Arbeitshaltungen auseinander. Grundlage dafür ist eine ressourcen- und lösungsorientierte und konstruktivistische Haltung. Im Unterricht erfahren die Studierenden, wie Sie diese Haltung und Methoden auch im pädagogischen und beraterischen Kontext nutzen und einsetzen können. Konkrete Inhalte sind:

  • Systemisches Denken
  • Konstruktivistische Grundlagen
  • Auftragsklärung
  • Lösungsorientierte Gesprächsführung
  • Kollegiale Beratung/Reflecting Team
  • Systemische Methoden in der Pädagogik für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Gruppen, die Sie konkret in Ihrer beruflichen Praxis umsetzen können
  • Ressourcenaktiverende Methoden

Die Heilpädagogikausbildung bereitet auf die Umsetzung von Diversity Education und Inklusion vor. Innerhalb eines heilpädagogischen Projektes können Studierende sich in der Umsetzung von Inklusion oder inklusiver Pädagogik üben, Strukturen oder Kulturen analysieren und sich selbst handelnd erfahren. 

Inklusion und Teilhabe sind in den letzten Jahren zu Leitkonzepten der Arbeit mit Menschen mit Behinderung geworden. Die Leitidee Inklusion meint die Verwirklichung des menschen- rechtlichen Anspruchs auf gleiche Chancen der Teilhabe am Leben der Gesellschaft. Alle Menschen sollen z.B. die gleichen Möglichkeiten haben an hochwertiger Bildung teilzuhaben, unabhängig von ihren Lernbedürfnissen, ihrem Geschlecht und ihren sozioökonomischen Voraussetzungen.

Auch die neue Sicht von Behinderung (z.B. das Modell der ICF) verändert das bisherige Selbstverständnis von Professionellen, Institutionen, Trägern und Kostenträgern. Träger initiieren interne Projekte zur Weiterentwicklung des bisherigen Selbstverständnisses und zur Ermöglichung von Inklusion. Der öffentliche Sektor fördert “Leuchtturmprojekte“.

Inklusion ist ein Leitbild, welches im Detail konkret bezogen auf jeweils vorgefundene Situationen (Behinderungszustände, den sozialen Raum, Lebenslagen, Lebensräume und Institutionen) übertragen werden muss. Die Auseinandersetzung mit diesem Prozess soll durch die Durchführung inklusiver Projekte im Rahmen der Ausbildung an der Akademie Schönbrunn unterstützt werden. Neben der Überprüfung von Vorgehensweisen in der Praxis ist mit der Leitidee Inklusion auch die Überprüfung der jeweiligen Struktur und Kultur einer Einrichtung gemeint.

Während sich die traditionelle Heilpädagogik vorrangig an der Person und dem Ablauf von Hilfeleistungen orientiert, gewinnen in der Heilpädagogik die Ebenen Individuum/ Lebenswelt und Hilfesystem/ Sozialraum an Bedeutung. Als Orientierung dient der „Index für Inklusion in Kindertageseinrichtungen“. Inklusion wird hier als ein quasi „nicht endend wollender Entwicklungsprozess“ dargestellt, der die kontinuierliche Reflexion des Denkens und Handelns aller Beteiligten einbezieht.

n der Übung werden Techniken wissenschaftlichen Arbeitens vermittelt. Sie bereitet u.a. auf die Facharbeit vor.

Praktiker unterliegen manchmal der Gefahr, dass sie Wissen durch Werte, Normen und Moral ersetzen anstatt es zu ergänzen. Die Facharbeit ist der schriftliche Beleg dafür, dass die Studierende die heilpädagogische Fachpraxis durchdenken, theoretisch reflektieren und in eine sprachlich prägnante Form bringen können. Mit einer Facharbeit soll die Befähigung zum wissenschaftlichen Denken und Arbeiten belegt werden.

Nach einem Überblick zu Forschungsmethoden der Heil- und Sonderpädagogik geht es in dieser Übung zunächst um die Klärung, was unter wissenschaftlicher Argumentation und Recherche sowie wissenschaftlichem Schreiben zu verstehen ist. Die Studierende werden unterstützt, das Thema einer Facharbeit zu finden und erste Hypothesen und Gliederungen hierzu aufzustellen.

Abschließend werden die Themen Zeitmanagement sowie Präsentieren, Strukturieren und Vortragen behandelt.

Auf der Basis von Gruppenmodellen lernen die Studierenden in diesem Fach Prozesse, Phasen und Dynamiken von Gruppen kennen. Anhand von Rollenspielen und praktischen Übungen werden Kompetenzen und Interventionsformen eingeübt und bezogen auf heilpädagogische Arbeitsfelder reflektiert.
 
Die Studierenden lernen Gruppenthemen wahrzunehmen und zu analysieren und auf heilpädagogische Handlungskonzepte zu beziehen. Die Leitung von Gruppen wird unter vielerlei Aspekten reflektiert, z.B. Gruppenziele, Rivalität, Autorität und Zeit.

Innerhalb der Begleitung eines Spielprozesses benötigen Heilpädagog/innen eine hohe Methodenkompetenz und Handlungskompetenzen für Interventionen, wie z.B. zunächst Wahrnehmung und Beobachtung, um dann die Intensivierung von Spielprozessen einleiten und begleiten zu können. Das Fach gibt einen Überblick über Methoden, Techniken und spieltheoretische Konzepte, die ziel- und prozessorientiertes Arbeiten fördern. 

Albert Einstein wird mit den Worten zitiert,  „Das Spiel ist die höchste Form der Forschung“. Damit meinte er wohl kaum „Mensch ärgere dich nicht“ oder ähnliche Tisch- und Regelspiele, die im richtigen Kontext gesehen Kindern zahlreiche Spiel- und Lernmöglichkeiten bieten. Einsteins Zitat, kann mit einer heilpädagogisch orientierten Interpretation wohl eher auf das freie und intrinsisch motivierte Spiel bezogen werden: Jene Spiel- und Entwicklungsprozesse die beim Kind Lernen, Explorieren und eine Erweiterung der Handlungs- Sach- und Sozialkompetenz ermöglichen, sowie zahlreiche Selbstwirksamkeitserlebnisse und den Aufbau eines positiven Selbstkonzeptes anstoßen.

Das Fach vermittelt Methoden heilpädagogischer Spielförderung und berücksichtigt dabei inklusionspädagogische Aspekte. Kreative Verfahren werden im Zusammenhang mit Spiel erfahren und vermittelt. Im Rahmen eines ganztägigen Spielprojektes werden die Studierende dieses Wissen im Unterricht anhand verschiedener kreativ gestaltender und spielpädagogischer Methoden vertiefen.

Die Studierenden sollen in der Lage sein, didaktische und methodische Grundsätze bei der Planung, Durchführung und Auswertung ganzheitlicher Spielförderung individuell im Einzelkontakt und in Gruppen zu berücksichtigen. 

Gestalten Sie ein Konzept zur Elternarbeit mit ihren eigenen Eltern – so könnte der Auftrag in einer Übung zur biographischen Selbstreflexion in diesem Fach lauten. Bewusstheit und Reflexionsfähigkeit für das eigene Bild von Eltern und Familie sind eine wichtige Voraussetzung für die heilpädagogische Arbeit mit Eltern und Familien.

Gedanken zur systemischen Familientherapie  und der Salutogenese werden als theoretischer Hintergrund für konkrete Handlungskonzepte verfügbar gemacht. Es werden Übungen zur systemischen Beratung sowie zur Visualisierungen von Familiensystemen und Problemsituationen angeboten. Modelle aus der Praxis werden vorgestellt und auf ihre heilpädagogische Relevanz hin betrachtet.

Ziel ist die Studierenden zu befähigen, mit den Eltern deren Situation im Sinne der Salutogenese verstehbarer, handhabbarer und sinnhafter zu gestalten.

Die Übung „Therapeutisches Milieu“ thematisiert heilpädagogische Konzepte, bei denen die Lebenswelt so gestaltet ist, sodass diese für Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen therapeutisch wirkt.

Oftmals wird dabei die Institution zu einer „künstlichen Familie“, bzw. der Rahmen einer vorübergehenden Lebensgemeinschaft ist durch deutlich schützende Grenzen gekennzeichnet. Auch alltägliche Bedingungen und Beziehungen können im Sinne eines Therapeutischen Milieus wirken. 

In der Übung wird herausgearbeitet, wie innerhalb von psychiatrischen Arbeitsfeldern, der Wohnsituation von Menschen mit einer geistigen Behinderung und der therapeutischen Heimerziehung Veränderungen in der Umwelt das Ich stärken können. Die Übung endet mit einer Exkursion.

Die Heilpädagogische Spieltherapie ist ein Handlungskonzept innerhalb der Heilpädagogik, das die spezifische Sprache des Kindes, d.h. den Ausdruck im Spiel berücksichtigt und dies als Medium für einen heilpädagogisch-therapeutischen Prozess nutzt.

 Bei beeinträchtigten, behinderten und psychosozial gestörten Kindern, können die „heilenden Kräfte im kindlichen Spiel“ (Zulliger) im spielerischen Dialog mit der Heilpädagogin für eine Entwicklungsförderung genutzt werden. Durch gezielte Interventionen können Spielprozesse intensiviert werden. Dabei stehen die Fähigkeiten des Kindes zur Selbstregulation und zum eigenständigen Handeln im Vordergrund.

Die heilpädagogische Spieltherapie bezieht sich auf die Grundlagen der klienten- bzw. personenzentrierten Spieltherapie. Daher werden in der Übung vor allem Konzepte der humanistischen, personenzentrierten Psychologie vermittelt.

Es werden spieltherapeutische Interventionsmöglichkeiten unter Einsatz von differentiellen Methoden wie Malen, Tonen, Handpuppen- und Figurenspiel, Märchen, Metaphern, Geschichten und Biografiearbeit vermittelt und geübt.

Teilnehmer*innen des Wahlfaches „Heilpädagogische Spieltherapie“ können Stunden des Wahlfaches als Teilleistung für eine spätere Spieltherapie Ausbildung bei der Gesellschaft für personzentrierte Psychotherapie und Beratung e.V. anerkennen lassen.

Der Ausdruck „Psychomotorik“ kennzeichnet eine Denk- und Forschungsrichtung, die Ganzheitlichkeit und die Unteilbarkeit körperlich-seelischer Prozesse betont. In der Psychomotorik wird davon ausgegangen, dass sich motorische, geistig-seelische und soziale Prozesse gegenseitig bedingen und Einfluss auf die gesamte Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen haben. Vielfach wird mit dem Begriff dann auch ein heilpädagogisch- psychomotorisches Menschenbild verbunden:

Der Mensch ist nicht nur wertvoll, wenn er angepasste (motorische) Höchstleistungen bringt, sondern weil er so ist, wie er ist, ein Mensch mit Fehlern, Schwächen, Behinderungen und immer vielen liebenswerten Eigenschaften. Das Wichtigste ist vielmehr, das der Mensch sich mit diesen Fähigkeiten und Schwächen im Leben zurechtfindet.

Gleichzeitig wird mit „Psychomotorik“ auch eine spezielle Praxis ganzheitlicher Bewegungsförderung verbunden: Als persönlichkeitsorientierte Entwicklungsförderung nutzt die Psychomotorik zur Förderung der Gesamtpersönlichkeit eines Menschen das Mittel der Bewegung.

Die Übung vermittelt in erfahrungsorientierten Angeboten und nachfolgenden theoretischen Aufbereitungen, wie durch psychomotorische Angebote eine Zunahme an Handlungskompetenzen sowie Entwicklung und Differenzierung des Selbstkonzeptes angestrebt werden kann. Im Hinblick auf individuelle und gruppenspezifische Kompetenzen und Bedürfnisse werden psychomotorische Fördermöglichkeiten erarbeitet. Dazu dienen die Herausstellung verschiedener Denkansätze der Psychomotorik und ein Einblick in die Motodiagnostik. Abschließend werden unterschiedliche Praxisfelder der Psychomotorik vorgestellt.

In unserer wandelnden Zeit kommt der Erwachsenenbildung immer mehr die Bedeutung „bildende Hilfen“ zu. Bilden und Lernen erfolgt nicht mehr nur innerhalb schulischen Lernens, sonders es gibt ein Lernen nach der Schule (Bildung für alle).
Hierbei schafft die heilpädagogisch gestaltete Erwachsenenbildung Hilfen zum Erlernen der Erwachsenenrolle und fördert eigenverantwortliches Handeln im Sinne einer sogenannten „Hilfe zum Selbst“.

Dabei geht es u.a. auch um die Lebensübergänge, wie Schule und Eintritt in die Arbeits- bzw. Berufswelt, vom Berufsalltag in den Ruhestand und es geht um die Gestaltung des Lebensabends. All diese Themen sind keine neuen und dennoch kann die heilpädagogisch gestaltete Erwachsenenbildung einen Beitrag zur Sinngebung leisten und dadurch ein „Mehr“ an Lebensqualität und Daseinsgestaltung für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung unterstützen.

Die Zuwendung zur Person mit all ihren Stärken und Ressourcen in ihrem Umfeld sind dabei die Leitsätze der heilpädagogisch gestalteten Erwachsenenbildung. Erwachsenenbildungsangebote entwickeln sich zunehmend als Lern- und Lebenshilfen (Interessen, Zukunftsplanung) im Sinne einer neuen Kultur des Assistierens. Auch soll sie durch zwischenmenschliche Begegnungen ein Stück Teilhabe an der Gesellschaft bzw. Gemeinschaft verbessern und somit als ein Instrument der Allgemeinbildung, die Entfaltung der Persönlichkeit begünstigen.

Für den/die Erwachsenenbildner/in ergeben sich daraus folgende Aufgaben:

  • Ein Erwachsenenbildner agiert auf der Basis der heilpädagogischen Beziehungsgestaltung und versteht sich als Prozessbegleiter mit unterschiedlichen Möglichkeiten und Methoden.
  • Erwachsenenbildung findet sowohl direkt in expliziten Bildungsangeboten statt, aber auch indirekt im Alltag der Klientel.

Zusammenfassend umfasst die heilpädagogisch gestaltete Erwachsenenbildung Professionalität im Umgang mit Menschen in besonderen Lebenslagen, aber auch mit Kommunikation und Interaktion. Weiter beinhaltet sie auch die Aufgabe zur Unterstützung und Begleitung der Identitätsbildung und Persönlichkeitsentwicklung als Aufgabe sozialen Lernens zum Zwecke sozialer und gesellschaftlicher Partizipation und zur Unterstützung der Sachwelterschließung. 

Die Bildungsprozesse der Studierenden werden an der Fachakademie für Heilpädagogik zusätzlich durch die Form eines didaktischen Unterrichts unterstützt. 

Persönlichen Aufgaben- und Fragestellungen der Studierenden können durch Lern-arrangements, Inszenierungen, Diskussionen und Beratungen aufgegriffen werden.

Bespiele für Themen der Didaktischen Übungen im ersten Studienjahr sind:

  • Ich an der Fachakademie
  • Das zeichnet mich aus
  • Wie Lernen gelingen kann
  • Meine Arbeitsstelle und mögliche Barrieren der Teilhabe
  • Projektanstoß
  • Konkrete Projektplanung
  • Projektdurchführung
  • Projektreflektion

Der berufliche Alltag heilpädagogischen Handelns ist oftmals mit Aufgaben des Organisierens und Leitens verbunden, wobei Fähigkeiten wie das Moderieren von Gruppen und das Managen von Projekten von Bedeutung sind.

In der Übung wird zunächst Moderation vorgestellt als eine effektive Form Gruppenarbeitsprozesse zielgerichtet und ergebnisorientiert zu begleiten. Die Studierenden lernen Moderationsverfahren sowie Visualisierungstechniken kennen und üben diese bezogen auf die Moderation von Teams, Arbeits- und Betroffenengruppen.

Danach wird Projektmanagement als Möglichkeit der zielorientierten Planung, Durchführung und Auswertung von Projekten, erarbeitet. Projekte können ein wichtiges Hilfsmittel zur Gestaltung von Veränderungsprozessen in Organisationen sein. In heilpädagogischen Organisationen geben sie oftmals innovative Impulse und entwickeln das Angebot und die Qualität einer Einrichtung positiv weiter. Gleichzeitig kann Projektmanagement als alltägliche Arbeitsorganisation genutzt werden. Die Übung behandelt Schritte und Techniken der Planung und Steuerung von Projekten incl. Zeit- und Selbstmangement im heilpädagogischen Arbeitsfeld.

Diese spezielle Übung stellt eine Einführung für Studierende dar, die eine leitende Funktion anstreben. Sie beinhaltet einen Überblick über Grundsätze, Ziele, Methoden und Rahmenbedingungen sozialer Arbeit, stellt Aufgaben und Methoden von Sozialmanagement vor und erklärt Finanzierungs- und Kostenarten, Budgetierung, Entgeltformen und Entgeltverhandlungen. Ein Überblick über Organisationsstrukturen, -kulturen, -dynamiken und -mythen runden die theoretische Einführung ab. 

Formen von Leitung, Personalführung, Qualitätssicherung und Controlling, Informationsmanagement, Arbeitsorganisation, Zeit- und Selbstmanagement sowie die entsprechenden dienstlichen Instrumente dafür werden vorgestellt und zum Teil praktisch erprobt. 

Mit einem Überblick über modellhafte Formen von Image- und Sozialmarketing sowie Qualitätsmanagement schließt die allgemeine Übung.

In diesem Fach werden Möglichkeiten und Bereiche der Sprachförderung vorgestellt, die, bezogen auf heilpädagogische Aufgabenstellungen, relevant sind. 

Sprache ist zentral für das menschliche Leben. Durch Sprache drückt der Mensch seine Intentionen, Wünsche und Abneigungen aus. Über Sprache tritt er in Kommunikation mit anderen Menschen, ordnet sein Denken und sein Bild von der Welt. 

Ausgehend von den Vorraussetzungen zum Erlernen von Sprache und von der Fähigkeit zur Kommunikation werden zunächst mögliche Ursachen von Störungen der Sprachentwicklung herausgearbeitet. Zu individuellen Förderbedarfen lernen die Studierenden abschließend Interventionen und ganzheitliche Formen der Förderung kennen, die den Aufbau von Sprachkompetenz und –performanz unterstützen.

Ein interessantes und abwechslungsreiches Arbeitsfeld für Heilpädagog/innen bietet die Tätigkeit an einem Förderzentrum. Die Tätigkeit steht hier in allen Bereichen unter dem Aspekt des heilpädagogischen Lernens. Es rückt der Mensch in einer ganzheitlicher Betrachtung in den Mittelpunkt. Der Pädagoge versucht unter den verschiedensten Blickwinkeln das große Spektrum an pädagogischen und therapeutischen Methoden für die anvertrauten Kinder und Jugendlichen optimal auszuwählen und immer wieder neu zu überdenken.

In schulvorbereitenden Einrichtungen, bei mobilen sonderpädagogischen Hilfen und im mobilen sonderpädagogischen Dienst helfen ressourcenorientierte Ansätze zur Wahrnehmungs- förderung dabei individuellen Lernbeeinträchtigungen zu bewältigen.

Heilpädagogische Förderlehrer arbeiten in der Praxis weitgehend selbständig. Sie erstellen Trimesterpläne, planen den Unterricht und halten diesen in Absprache mit einem Förder- schullehrer.

Nach einer Hospitation in einem Förderzentrum werden praxisorientiert didaktische Vorgehens- weisen erarbeitet. In dem Wahlfach geht es um Neugierde und Interesse für das zielorientierte arbeiten mit Kindern und Jugendlichen an Förderzentren, SVE, heilpädagogischen Tagesstätten oder in der Hausaufgabenbetreuung.

Jedes Kind hat einen Anspruch auf gleichberechtigte Teilhabe und auf individuell hochwertige Bildungsangebote. Wie kann die Heilpädagogik dazu beitragen, dass dies gelingen kann? Die Vorstellung ist, dass in einer „Schule der Zukunft“ Heilpädagog/innen die Regelschule in der Qualität der Umsetzung dieses Menschenrechts unterstützen. 

Heilpädagogik in Regelschulen stärkt den Erziehungsauftrag der Regelschule und möchte dazu beitragen, dass alle Kinder in der Schule willkommen sind. Schule wird immer mehr zum Lebensort. Vor allem die neuen Ganztagsschulen haben den Anspruch, sich entsprechend der Bedürfnisse und Interessen der Schüler zu gestalten. So steht die Grundschule heute oftmals im Spannungsfeld zwischen Förderbedarf und Hochbegabung.

In dem Wahlfach beschäftigen wir uns mit dem System Regelschule und mit Konzepten und Vorgehensweisen inklusiver Pädagogik. Anhand von Fallbeispielen werden heilpädagogische Fragestellungen, Themengebiete sowie Ziele von Heilpädagogik in Regelschulen systematisiert und vorgestellt. 

Berichte zu Erfahrungen von ‚Heilpädagogik in Regelschulen‘ und ein Besuch der Grundschule Petershausen konkretisieren die Aufgabenfelder. 

Reflektierte Fachpraxis

Die Erprobung heilpädagogischen Tätigseins (Fachpraxis) gibt einen Einblick in verschiedenste Arbeitsfelder. Die reflektierte Fachpraxis umfasst mit 800 Stunden ca. ein Drittel der Weiterbildungszeit. Hier knüpfen die Studierenden an vorhandene Berufserfahrungen an und entwickeln diese an unterschiedlichen Lernorten und in unterschiedlichen Settings zu einer spezifisch heilpädagogischen Professionalität weiter. Die Praktika können sich die Studierenden in der Regel wohnortnah aussuchen. Vor Ort werden sie dann durch Mentor*innen begleitet. Wichtige Elemente der Fachpraxis sind in einem Wegweiser für Mentorinnen und Mentoren formuliert.  Die heilpädagogische Fachpraxis setzt sich aus folgenden Bausteinen zusammen:

Im ersten Studienjahr führen die Studierenden ein inklusives Projekt durch. Inklusion und Teilhabe sind in den letzten Jahren zu Leitkonzepten der Arbeit mit Menschen mit Behinderung geworden. Innerhalb eines heilpädagogischen Feldes beantworten die Studierenden Fragengestellungen wie: Wo sind Barrieren, was schafft Exklusion und verhindert Teilhabe? Was mobilisiert Ressourcen und unterstützt Inklusion, Teilhabe und Vielfalt? Das Projekt kann im eigenen Berufsfeld oder am Wohnort durchgeführt werden.

Das erste Praktikum (2. Studienjahr) ist als personorientiertes Praktikum gestaltet, d.h. heilpädagogisches Handeln ist bezogen auf die Begleitung bzw. Förderung einer Person. Die Studierenden üben sich in ihrer Haltung und Beziehungsgestaltung, in Hypothesenbildung und Diagnostik sowie Aufgaben- und Zielorientierung. Als Praxisstelle eignen sich Einrichtungen für Kinder, Jugendliche oder Erwachsene (nicht der eigene Arbeitsplatz), in denen professionell gearbeitet wird und wo eine heilpädagogische Fachkraft für die Anleitung zur Verfügung steht. 

Das zweite Praktikum ist als methodisch vertieftes Praktikum gestaltet. Im 3. Studienjahr wechseln die Studierenden die Praxisstelle und können ihr berufliches Profil durch eines der folgenden Handlungskonzepte differenzieren:

  • Heilpädagogische Spieltherapie,
  • Psychomotorik
  • Heilpädagogisch gestaltete Erwachsenenbildung oder
  • Inklusive Frühpädagogik.

Als Praxisstelle eignen sich Einrichtungen für Kinder, Jugendliche oder Erwachsene in denen das heilpädagogische Handlungskonzept, welches der/die Studierende vertiefen möchte, durchgeführt werden kann und wo eine fachlich qualifizierte Anleitung zur Verfügung steht.

Im vierten Studienjahr erstellen die Studierenden eine Facharbeit. Innerhalb der Facharbeit wird eine Fragestellung aus der heilpädagogischen Fachpraxis theoriegebunden weiterentwickelt, wissenschaftlich reflektiert und in eine sprachlich prägnante Form gebracht.

Die Studierenden erhalten an der Fachakademie individuelle Praxisbegleitung. Praxiserfahrene Dozent*innen leiten an zu systematischer Reflexion des Praktikums und des Ausbildungsprozesses. Dabei können wesentliche Lern- und Entwicklungsprozesse unterstützt werden.

Hospitationen und Exkursionen geben Einblick in heilpädagogische Arbeitsfelder. Sie bieten die Möglichkeit neue Entwicklungen im heilpädagogischen Bereich zu verfolgen und zu analysieren. Im dritten Studienjahr sind die Studierenden an der Vorbereitung und Auswertung einer Studienfahrt aktiv beteiligt.

Begleitend zu den Praktika nehmen die Studierende an Gruppensupervisionen teil. Supervision und kollegiale Beratung dienen der systematischen Reflexion beruflichen Handelns. Die Studierende lernen diese Methoden als konstruktive Möglichkeit zur Bewältigung beruflicher Herausforderungen kennen. Dies kann zur Erweiterung personaler, sozialer und methodischer Kompetenzen beitragen. Professionelle Wahrnehmungs- und Analysefähigkeiten werden geschult, was zur Qualität heilpädagogischen Handelns beiträgt. Die Supervision ist eingebunden in Lernarrangements, didaktische Übungen und das individuelle Portfolio der Lernenden.