Berufsbild

Heilpädagog*innen richten ihr vertieftes pädagogisches Handeln und Denken auf das Leitziel Inklusion aus. Sie bieten für Menschen, deren Leben durch Schädigung bzw. Behinderung erschwerten Bedingungen unterworfen ist, Hilfen zur Erziehung, Bildung, Begleitung, Assistenz, Beratung und Integration an. Dabei treten sie dafür ein, dass jeder Mensch mit und ohne Behinderung ein Recht auf ein sinnerfülltes Leben und Einbezogensein in Lebenssituationen (Teilhabe) hat.

Heilpädagog*innen sind in verschiedenen methodischen Ansätzen ausgebildet und wissen diese für heilpädagogisch gestaltete Handlungskonzepte zu nutzen. Bezogen auf die Arbeit mit konkreten Personen ist ihr heilpädagogisches Handeln vor allem durch die personale Begegnung und den heilpädagogischen Dialog bestimmt (Annahme und Wertschätzung des Gegenübers durch Kooperation, Anregung und Unterstützung).

Mit Hilfe einer spezifisch heilpädagogischen Diagnostik erfassen Heilpädagogen*innen dabei die Ausgangsbedingungen für das Verhalten eines Menschen bzw. vorliegende Behinderungszustände und entwickeln daraus Hypothesen, Förderziele und Förderangebote.

Heilpädagogik

Heilpädagogik ist eine vertiefte Form der Theorie und Praxis von der Erziehung, die sich auf Menschen in erschwerten Lebenssituationen bezieht. Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen erhalten spezielle pädagogisch-therapeutische Angebote zur Förderung ihrer Teilhabe und Integration. Heilpädagogische Praxis ist durch die Stärkung von Ressourcen, die Förderung von Selbstbestimmung sowie die Unterstützung von Befähigung und Aktivität gekennzeichnet.

Das Fachgebiet der Heilpädagogik entstand aus der Praxis und Theorie vieler Einzeldisziplinen. Der Begriff Heilpädagogik wurde 1861 durch die Pädagogen Georges und Deinhardt eingeführt. Seit dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts gab es zunehmend systematische Ansätze pädagogischer Behindertenhilfe. Im 19. Jahrhundert entwickelten sich erste Ansätze einer eigenständigen Fachdisziplin. 

Mit dem Wandel des Verständnisses von Behinderung und vor allem durch die UN-Behindertenrechtskonvention befindet sich die Heilpädagogik auf einem Kontinuum zwischen dem Anspruch der Inklusion und dem Anspruch der Rehabilitation einer Person. Heilpädagogik hat heute den Blick auch auf

  • Zusammenhänge und Bedingungen
  • Beziehungen und Interaktionen
  • Lebensräume und Sozialräumliches
  • Resilienz und Vulnerabilität
  • Systeme und Organisationen
  • Strategisches Handeln und Prävention

Dementsprechend wird Heilpädagogik auch als integraler Bestandteil einer Pädagogik verstanden, die neben der heilpädagogischen Praxis den Blick auf die Strukturen und Kulturen lenkt, in denen ein Mensch lebt.

Berufsfelder

Seit den 60er Jahre werden in Deutschland staatlich anerkannte Heilpädagog*innen ausgebildet. Die Ausbildung ist als Weiterbildung für qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Bereich der Behindertenhilfe sowie der Kinder- und Jugendhilfe konzipiert.

Die Ausbildung hat sich in all den Jahren entsprechend der gesellschaftlichen Diskurse und Anforderungen weiterentwickelt. Eine gute aktuelle Beschreibung des Mehr- Wertes der Ausbildung zur staatl. anerkannten Heilpädagog*in ist in der Broschüre „Heilpädagogische Kompetenzen“ der „Ständigen Konferenz von Ausbildungsstätten für Heilpädagogik in der Bundesrepublik Deutschland“ zu finden.

Die Nutzung von „Heilpädagogik“ als Oberbegriff für eine vertiefte Pädagogik entspricht in Deutschland nicht einem einheitlichen Berufsbild. So arbeiten Sonderpädagogen vorrangig im schulischen Bereich. Heilpädagog*innen sind eher generalistisch ausgebildet. Ihr Berufsbild hat zusätzlich eine deutliche außerschulische Orientierung. Die Berufsfelder von Heilpädagog*innen beziehen sich auf

  • Einrichtungen der Behinderten-, Kinder- und Jugendhilfe 
  • Einrichtungen des Gesundheitswesens
  • Einrichtungen der Altenhilfe 
  • Förderschulen und berufsbildende Schulen
  • Regeleinrichtungen mit inklusivem Auftrag

Tätigkeitsfelder sind Frühförderstellen, Kindertageseinrichtungen, schulvorbereitende und -begleitende Maßnahmen, Heime, Kliniken, Beratungseinrichtungen, Rehaeinrichtungen, Werkstätten, Wohnheime und ambulante Dienste und Beratungsdienste, eigene Praxen oder auch Aus- und Weiterbildungseinrichtungen von Fachkräften.

Aufgaben

Heilpädagogen* innen bieten für Menschen, deren Leben erschwerten Bedingungen unterworfen ist, Hilfen zur Erziehung, Bildung, Begleitung, Assistenz, Beratung und Integration an.

Im Bereich der Kinder-, Jugend- und Behindertenhilfe haben Heilpädagogen*innen die Aufgabe Kinder, Jugendliche, Erwachsene und alte Menschen bei der personalen und sozialen Integration im Hinblick auf ein selbstbestimmtes Leben zu unterstützen. 

Als spezialisierte Generalisten orientieren Heilpädagogen*innen ihr Handeln an einer ganzheitlichen und systemischen Sichtweise, die die einzelne Person mit ihren individuellen Problemstellungen in ihrer Lebenswelt zu verstehen versucht.

Sehr gute Informationen zum Berufsbild und zu einzelnen Aufgabenbereichen finden Sie im Download Bereich der Website des Berufs- und Fachverbandes für Heilpädagogik.