Fachschwerpunkte

Die Ausbildung an der Fachakademie für Heilpädagogik ist verbunden mit dem Erwerb erweiterter Handlungskompetenzen. Dozent*innen der Fachakademie haben im Rahmen des inhaltlichen Auftrages des Lehrplanes hierzu Fachschwerpunkte entwickelt:

  • Heilpädagogik in Regelschulen
  • Heilpädagogische Spieltherapie

Die Fachakademie begibt sich mit diesen Fachschwerpunkten in die Öffentlichkeit und möchte einen Beitrag zur Fachdiskussion leisten.

Heilpädagogik in Regelschulen

Lehrende und Studierende der Fachakademie haben einen Traum,

  • dass in einer Schule der Zukunft verschiedene Berufsgruppen zum Wohl von Kindern und Jugendlichen arbeiten,
  • dass die Zeit reif ist für Heilpädagog*innen, endlich auch in Bayerns Schulen einen wichtigen Beitrag zu einer „Schule für alle“ zu leisten. 

An der Fachakademie für Heilpädagogik wurde deshalb das Projekt „Heilpädagogik in Regelschulen“ implementiert. Im Rahmen des Projektes können sich Studierende seit langem im Dachauer Landkreis im Arbeitsfeld Schule ausprobieren und durch gute Beispiele zeigen, wie Heilpädagogik in Regelschulen gelingen kann.

Jedes Kind hat ein Anrecht auf gleichberechtigte Teilhabe und auf individuelle hochwertige Bildungsangebote

Regelschule wie Förderschule sind heute mit umfassenden Herausforderungen konfrontiert. Veränderungen in der Schülerschaft und der Gesellschaft betreffen alle Schulformen. Die Schule hat z.B. viel mehr persönlichkeitsbildende Funktion als in früheren Zeiten. Auch muss Schule heute einen Raum bereitstellen, in dem korrigierend und positive Lernerfahrungen für Schüler möglich sind. Noch zu wenig werden heilpädagogische Kompetenzen im Bildungsort Schule mitgedacht. Besonders deutlich wird dies u.a. bei fehlenden heilpädagogischen Ressourcen in Ganztagsgrundschulen und inklusiven Schulen. Die Fachakademie möchte damit einen Impuls geben, wie durch heilpädagogische Angebote Schüler*innen individuelle Unterstützung ermöglicht und das Leitbild einer „guten Schule“ im Sinne von einem Mehr an „Inklusion“ weiter entwickelt werden kann. 

Handlungsleitende Hypothese der heilpädagogischen Projekte ist, dass Sichtweisen über die eigene Person von großer Bedeutung für den schulischen Alltag sind. Vor allem Kinder mit Schwierigkeiten im Lern-/ Leistungsbereich, einem besonderen Förderbedarf oder mit drohenden Behinderungen zeigen oftmals eine negative Selbsteinschätzung. Negative Selbsteinschätzungen können zu negativen Erfolgserwartungen führen (erlernte Hilflosigkeit). Im Sinne einer indirekten Förderung ist vorrangiges Ziel der heilpädagogischen Angebote Kinder und Jugendliche vor allem in der Entwicklung eines positiven Selbstkonzeptes zu unterstützen. So haben diese Angebote einen präventiven als auch (unter-) stützenden Charakter und sind für jedes Kind geeignet. Heilpädagogik in Regelschulen stärkt den Erziehungsauftrag der Regelschule und möchte dazu beitragen, dass alle Kinder in der Schule willkommen sind.

Ansprechpartner: Michael Kreisel

Arbeitskreis Heilpädagogische Spieltherapie

Seit vielen Jahren treffen sich in der Fachakademie Absolvent*innen, Heilpädagog*innen und andere Berufsgruppen sowie Studierende zu einem ‚Arbeitskreis Heilpädagogische Spieltherapie‘. Die Heilpädagogische Spieltherapie ist eine pädagogische orientierte Kindertherapie. Sie wurde von Hildegard Just (1969) als Gegenstück zur funktional gestalteten heilpädagogischen Übungsbehandlung nach Oy/Sagi als ‚personale Spieltherapie’ entwickelt. Die heilpädagogische Spieltherapie definiert sich durch drei wesentliche Leitgedanken:

  • Grundlegend für einen Veränderungsprozess ist das Verstehen des Kindes innerhalb eines Beziehungsdialoges. Die Beziehung zwischen Heilpädagogin und Kind gilt als wichtigster und korrigierender Veränderungsimpulse.
  • Zentrales Medium der heilpädagogischen Kindertherapie ist das freie Spiel, welches durch kreativ-gestaltende Verfahren, durch das Puppenspiel, durch Metaphern und Geschichten (etc.) und durch beiläufige Gespräche ergänzt wird.
  • Das Handlungskonzept der ‚Heilpädagogischen Spieltherapie’ beinhaltet die kindzentrierte Arbeit, die Beratung der Eltern und Personen des sozialen Nahraums sowie die Zusammenarbeit im interdisziplinären Team. Soziale, lebensweltbezogene und ökonomische Aspekte des Aufwachsens werden im Sinne einer Vieldimensionalität einbezogen.

Der personzentrierte Ansatz ist das theoretische Fundament der Heilpädagogischen Spieltherapie, wenn gleich diese als eklektische Methode die Erkenntnisse aller psychologischen Richtungen einbezieht. 

Die Heilpädagogische Spieltherapie wird in einem geschützten Spielraum mit einer Vielfalt an Spielmaterialien und Spielformen angeboten. Die Heilpädagog*in wird in der Spieltherapie Realpartnerin, Begleiterin, Mitspielerin, Wegweiserin und Gesprächspartnerin und begleitet das Spiel des Kindes durch spieltherapeutische Interventionen, die auf den Beziehungsvariablen Empathie, Wertschätzung und Kongruenz beruhen. Sie gibt durch ihr Handeln Resonanz auf das Spiel des Kindes wodurch ein hohes Maß an Beziehungskompetenz und Persönlichkeitskompetenz gefordert wird. 

Die Heilpädagogische Spieltherapie wurde konzipiert für Kinder mit Entwicklungsverzögerungen, mit sozialen sowie emotionalen  Schwierigkeiten und im Sinne einer Krisenintervention für Kinder und deren Familien in kritischen Lebenssituationen.

Teilnehmer*innen des Wahlfaches „Heilpädagogische Spieltherapie“ können Stunden des Wahlfaches als Teilleistung für eine spätere Spieltherapie Ausbildung bei der Gesellschaft für personzentrierte Psychotherapie und Beratung e.V. anerkennen lassen.

Ansprechpartnerin: Stephanie Jofer-Ernstberger